Köhls Goldener Treffer zum Klassenerhalt

Schiedsrichter: Rene-Alexander RoseLinienrichter: Florian Hiller, Miguel Karrasch
Zuschauer: 715
... und gleichzeitigem Oberliga-Aufstieg unserer U23
Spielbericht vom 11. Mai 2026
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Es war die 68.Minute im Flensburger Manfred-Werner-Stadion, als der überragend aufgelegte Kapitän Jonas Behounek den Ball auf den kurz vorher eingewechselten Ohene Köhl durchsteckte, der sich im Strafraum der Gastgeber stark gegen zwei Gegenspieler durch setzte und Torhüter Ronny Seibt zum 2:2 überwand. „In unserer Situation ist der eine Punkt wahrscheinlich Gold wert“, orakelte Trainer Jörn Großkopf bereits unmittelbar nach dem Schlusspfiff. Er sollte recht behalten, denn keine 26 Stunden später kam die U23 des FC St. Pauli im Derby gegen die U21 des Hamburger SV nicht über ein 1:1 hinaus – damit war der Klassenerhalt in der Regionalliga in Stein gemeißelt.
Doch nicht nur das: Durch den Klassenerhalt steigt die U23, die am Sonntagnachmittag mit 3:1 beim FC Union Tornesch gewann, rund um Team-Manager Milenko Mutabdzija und Trainer Erdogan Pini zum ersten Mal in die Gamesright Oberliga Hamburg auf! Was für eine Erfolgsstory!
Doch zurück nach Flensburg: Dort startete unsere Mannschaft vor 715 Zuschauern gut ins Spiel, kam besser als die Gastgeber in die Zweikämpfe, konnte sich jedoch zunächst keine Torchancen erarbeiten. Nach zwanzig Minuten hatte sich Weiche ins Spiel gefunden – und ging durch Ibrahim Ali, der vom früheren Norderstedter Theo Behrmann freigespielt wurde, in Führung (27.). Für Weiche ein Brustlöser, die den Hebel umstellten und bis zur Pause gleich mehrere Chancen auf das 2:0 liegen ließen, während wir uns kaum noch befreien konnten. Bis in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs der früh für den angeschlagenen Dane Kummerfeld eingewechselte Emanuel Mirchev eine Flanke aus dem Halbfeld in den Strafraum schlug, wo man von Jonas Behounek offensichtlich keine Kopfballqualitäten erwartete („Ich habe mal ein Kopfballtor gegen Jeddeloh gemacht… als ich noch beim HSV gespielt habe“) – zumindest stand dieser vollkommen ungedeckt und köpfte aus kurzer Distanz zum Ausgleich ein.
„Ich habe den Jungs in der Halbzeit gesagt, dass wir eine Mannschaft sind, die in der zweiten Halbzeit sehr oft zugelegt hat und zulegen kann“, gab Großkopf für die zweiten 45 Minuten die Marschrichtung vor – und sah, wie Flensburg direkt nach Wiederanpfiff „ein total dämliches Tor" schoss. „Das muss ich in aller Deutlichkeit so sagen.“ Eingeleitet durch einen weiten Einwurf spitzelte Abwehrmann Torben Marten die Kugel am Ende über die Linie (48.).
Wer nun dachte, dass Flensburg die Partie souverän nach Hause fährt, sah sich getäuscht. Jonas Behounek, der wieder für den verletzten Moritz Frahm die Kapitänsbinde trug, nahm das Zepter in die Hand, lief, dirigierte, arbeitete und passte („Ich weiß um meine Rolle, dass ich mit Leistung vorangehen muss. Das hat heute ganz gut funktioniert“) – und seine Mitspieler schalteten ebenfalls einen Gang höher. Der Gegentreffer als Startschuss: Unsere Jungs erhöhten das Pressing, zwangen Flensburg immer wieder zu Fehlern im Aufbauspiel und belohnten sich durch den Ausgleich von Ohene Köhl, der wenige Minuten zuvor für den laufstarken und unermüdlichen Melvin Zimmer in die Partie kam. „Ich denke, ich habe ganz gut für Schwung gesorgt“, erfüllte Ohene Köhl die Vorgaben seines Trainerteams. "Hart arbeiten und immer dran glauben, auch wenn die Zeiten schwer sind", so Köhls über seine lange Leidenszeit und den Weg zurück zu alter Form. "Wenn man einfach immer weiter macht und nicht aufgibt, wird man am Ende dafür belohnt." Ein schönes Finale einer für ihn nicht immer einfachen Zeit. Doch schon seit einigen Wochen konnte man ihm dabei zusehen, wie er sich Spiel für Spiel wieder der alten Form näherte und das Selbstbewusstsein zurückkehrte – das Selbstbewusstsein, mit dem er sich im Strafraum durch setzte und den goldenen Treffer zum 2:2 erzielte.
Wie geht man jetzt mit dem Spielstand um? Weiter auf Sieg spielen auch auf die Gefahr hin, dass man hinten noch einen kassiert und am letzten Spieltag ein Endspiel hat? „Man muss so ein bisschen die Waage finden, weil es natürlich umso bitterer gewesen wäre, wenn man noch in einen Konter gelaufen wäre und das 2:3 kassiert hätte. Dementsprechend haben wir, als wir die Kontrolle über alles hatten, gesagt, dass wir den Punkt als Basis nehmen und gucken, ob vorne noch einer reinfällt“, beschrieb Jonas Behounek die Marschroute für die Endphase. Und beinahe wäre tatsächlich noch einer reingefallen, als Norderstedt den Ball tief in der Flensburger Hälfte erpresste und Manuel Brendel auf Ezra Ampofo quer legte, der jedoch am glänzend reagierenden Ronny Seibt scheiterte (83.)
Ein trauriges Wiedersehen war es für den früheren Norderstedter Jugendspieler Randy Gyamenah, der keine 120 Sekunden nach seiner Einwechselung mit glatt Rot vom Platz musste (85.), als er Ohene Köhl an der Außenlinie zu Fall brachte. „Er ist mir auf die Achillessehne getreten. Das war gefährliches Spiel“, konnte der Getroffene die Entscheidung des Unparteiischen nachvollziehen. Sein Trainer sah die Situation im Gesamtkontext nicht so dramatisch. „Er hat ihn zwar auf der Achillessehne getroffen, aber er hat einen ganz normalen Laufschritt gemacht. Da steckte in keinster Weise Absicht dahinter“, hätte Großkopf für die Aktion „nie im Leben Rot“ gezeigt. Es war übrigens die erste Karte überhaupt in einem sehr fairen Spiel.
Nach fünf Minuten Nachspielzeit, in denen nichts wesentliches mehr passierte, war klar, dass man mit einem komfortablen Vorsprung auf die Aufstiegsplätze in den letzten Spieltag gehen würde – gut 24 Stunden später stand dann fest, dass der Treffer von Ohene Köhl nicht nur das Goldene Tor zum Klassenerhalt war, sondern auch der Goldene Schlüssel zur Oberliga für unsere U23.
„Wir haben unser Saisonziel Klassenerhalt erreicht“, atmete Großkopf durch, nachdem der Klassenerhalt perfekt war. „Das hat viel Kraft gekostet. Wir hatten oft viele Verletzte. Aber die Zusammenarbeit zwischen Trainer und Mannschaft hat sehr gut gepasst. Die Mannschaft hat uns als Trainerteam vertraut und wir ihr auf dem Platz.“
Auf Sportchef Frank Spitzer, der sämtliche Vertragsgespräche vertagte, bis feststeht, in welcher Klasse wir in der Saison 2026/2027 antreten, kommen nun arbeitsreiche Tage zu. „Wir werden uns jetzt zeitnah mit dem Trainerteam zusammensetzen und Gespräche darüber führen, wie es weitergeht“, ist die Trainerposition Punkt 1 auf der Agenda, da auch davon natürlich abhängt, welche Spieler einen neuen Vertrag bekommen oder wen man verpflichten möchte. : Immerhin: Das Grundgerüst steht, rund die Hälfte des Kaders, darunter Stammspieler wie Moritz Frahm, Jonas Behounek, Lukas Krüger oder Lucas Camacho, haben einen Vertrag über den Sommer hinaus.
Auf Grund der in vielen Fällen noch offenen Vertragssituation werden wir am letzten Spieltag gegen den HSC Hannover keine Spielerverabschiedungen vornehmen. Dafür können wir „in unser letztes Saisonspiel nach der wilden Achterbahnfahrt dieser Saison ohne Druck gehen. Ich weiß gar nicht mehr, wie sich das anfühlt“, merkte man auch Präsidentin Julia Karsten-Plambeck die Erleichterung mehr als deutlich an, dass die negativen Stimmen, die unsere Mannschaft schon das dritte Jahr in Folge in die Oberliga quatschen wollten, erneut eines Besseren belehrt wurden. Dasselbe gilt übrigens auch für den HSC Hannover, die von vielen als Abstiegskandidat Nummer 1 gehandelt wurde und ebenfalls vorzeitig den Klassenerhalt geschafft hat.
Anstoß im Edmund-Plambeck-Stadion ist am Samstag zur ungewohnten Zeit um 18:00 Uhr abends. Lasst uns noch ein letztes Mal in dieser Saison zusammenkommen und gemeinsam mit dem HSC Hannover – ganz ohne Druck – einen tollen Fußballabend erleben.
















































































































