Wir haben es selbst in der Hand

Präsidentin Julia Karsten-Plambeck im Interview
Artikel vom 20. April 2026
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Nach dem 3:1-Heimsieg gegen die FSV Schöningen stellte sich uns Präsidentin Julia Karsten-Plambeck zum Interview und zeigte sich dabei äußerst optimistisch vor den letzten vier Spielen der Saison.
EN: „Vor der Saison war dein persönliches Ziel ‚eine ruhige Saison‘, auch von außerhalb wurde attestiert, dass man eine gute Mannschaft habe, die mit dem Abstieg nichts zu tun haben wird. Vier Spieltage vor Saisonende steckt man allerdings wieder mittendrin im Schlamassel, auch wenn der Sieg gegen Schöningen für eine kleine Befreiung gesorgt hat. Wie erklärst du dir den Unterschied zwischen der Einschätzung und der Realität?“
JKP: „Wenn man vier Spieltage vor dem Saisonende im Tabellenkeller steht, kann keiner von sich behaupten, alles richtig gemacht zu haben, auch wir als Vereinsführung nicht. Trotzdem muss man es differenziert betrachten. Mit Ausnahme von ganz wenigen Spielen hat die Mannschaft auf dem Platz gute Auftritte hingelegt und gezeigt, dass sie weit mehr Potenzial hat, als der Tabellenplatz aussagt, was uns ja auch von den gegnerischen Trainern immer wieder bestätigt wurde. Aber davon können wir uns nichts kaufen, die Wahrheit ist auch, dass die Ergebnisse zu oft die Leistung nicht widergespiegelt haben. Erklärungen dafür gibt es zahlreiche. Zu viele individuelle Fehler, die zu Gegentoren geführt haben und dass wir zu viele Chancen für ein Tor brauchen, sind ja offensichtlich. Teilweise hat uns einfach das Spielglück gefehlt, die kurzfristigen Abgänge und Ausfälle von Führungsspielern oder das aberwitzige Verletzungspech, da kommt einiges zusammen. Das nach vier Ausfällen in der Innenverteidigung zuletzt mit Lucas Schulze ein Mittelfeldspieler aus der U23 dort gespielt hat, sagt ja alles – wobei der Junge das richtig gut gemacht hat.“
EN: „Was spricht dafür, dass wir das Boot in den letzten vier Spielen sicher ans Ufer bringen werden?“
JKP: „Das Spiel gegen Schöningen auf jeden Fall. Auch in den letzten Jahren haben wir lange um den Klassenerhalt kämpfen müssen, es aber am Ende geschafft, weil wir eine gemeinsame Energie entwickelt, uns nie aufgegeben und immer an uns geglaubt haben. Was mich positiv stimmt, ist die Einstellung der Mannschaft und dass sie sich immer als Einheit präsentiert hat. Selbst wenn das Ergebnis gegen uns gesprochen hat, ist die Mannschaft bis zum Schlusspfiff marschiert. Das wird sie auch in den letzten Spielen bis zum 34. Spieltag tun, zumal nun ein, zwei lange verletzte Spieler zurückkommen. Mit Blau-Weiß Lohne und dem HSC Hannover haben wir noch direkte Kontrahenten im Abstiegskampf bei uns zu Gast. Das sind die direkten Duelle, auf die es am meisten ankommen wird. Wir haben es selbst in der Hand.“
EN: „Was erwartest du in den nächsten Spielen?“
JKP: „Die Jungs müssen ihre Energie, die sie immer wieder zeigen, auf dem Platz über 90 Minuten plus X von der ersten Sekunde an zeigen. Wir haben ja nicht nur zuletzt gegen Werder II oder in der zweiten Halbzeit gegen den HSV II gesehen, dass sie wollen und kämpfen, es dann aber wie gegen Werder versäumen, das dritte oder vierte Tor zu machen. Gegen Schöningen haben wir das deutlich besser hinbekommen und direkt den Heimsieg eingefahren. Wenn wir das auch in den nächsten Spielen hinbekommen, sehe ich sehr positiv in die Zukunft. Ich wünsche mir und hoffe, dass wir alle – Fans, Zuschauer, Spieler, Verantwortliche – zusammenrücken. Wir sitzen in einem Boot und wollen gemeinsam da rauskommen. Die Jungs geben auf dem Platz Gas, die Trainer werden auf der Bank Gas geben und die Ersatzspieler und wir Zuschauer werden halt auf den Plätzen und auf den Stehtribünen die Mannschaft nach vorne peitschen.“
EN: „Wie können die Zuschauer der Mannschaft unterstützen?“
JKP: „Die Mannschaft bekommt ja mit, was auf den Rängen passiert. Wenn es da unruhig wird, überträgt sich das auf die Mannschaft. Umgekehrt pusht es die Spieler auch ungemein, wenn von den Rängen Aufmunterung und Anfeuerung kommt. Gegen Schöningen war eine tolle Stimmung im Stadion, auch nach dem Ausgleich. Ich bin mir sicher, dass das ein paar Prozentpunkte mehr rausgekitzelt und zum Sieg gegen Schöningen beigetragen hat. Sowas würde ich mir auch für die kommenden Spiele wünschen. Dass die Fans einen Bus für das Auswärtsspiel beim Bremer SV gebucht haben und die Mannschaft dort unterstützen wollen, finde ich super. Das kann der Mannschaft extrem helfen und einen wertvollen Beitrag zum hoffentlichen Klassenerhalt beitragen.“
EN: „Und wenn es trotz allem nicht klappt?“
JKP: „Das wäre bei dem Aufwand, den wir hier alle betreiben, vorsichtig formuliert, mehr als schade. Aber dann schütteln wir uns einmal und dann geht es weiter. Wir sind finanziell im unteren Drittel der Regionalliga, haben die letzten drei Jahre gegen den Abstieg gespielt. Da ist es normal, dass man sich auch mit einem solchen Szenario auseinandersetzt und zweigleisig plant. Der Großteil der Spieler, die Verträge über das Saisonende hinaus haben, haben sich Ligen unabhängig an uns gebunden, es würde also nicht alles auseinanderfallen. Aber zur Realität gehört natürlich auch, dass wir dann jeden Stein einzeln umdrehen werden, um den Fokus auf Wiederaufstieg zu setzen. Aber so weit wird es nicht kommen, noch haben wir den Klassenerhalt in der Hand und werden alles daransetzen, in der Regionalliga zu bleiben.“
