Interview mit Sportchef Frank Spitzer

Artikel vom 7. Februar 2026
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Kurz vor Ende der Vorbereitung haben wir uns mit Sportchef Frank Spitzer unterhalten, wie er das neue Trainer-Team und die Mannschaft aktuell erlebt, welche Auswirkungen die aktuellen Witterungsbedingungen haben, wie es aktuell im Kader aussieht und wie man das Thema Regionalliga-Reform verfolgt.
EN: „Die Vorbereitung geht in die Endphase. Welchen Eindruck hast du von unserem neuen Trainer-Duo Jörn Großkopf und Fabian Boll gewonnen?“
FS: „Beide ergänzen sich sehr gut, weil sie sich auch als Typen schätzen und jeder dem anderen auch was gönnt. Jeder kann sich einbringen, man sucht dann gemeinsam mit den Co-Trainern Jens Heck und Hendrik Guschok sowie Torwart-Trainer Johannes Höcker das Beste heraus. Durch die neuen Impulse sind die Spieler wieder wacher, wenn sie merken, es gibt was Neues. Sie sind aufmerksamer, sie müssen den Fokus und die Sinne wieder schärfen.“
EN: „Welche Änderungen gibt es sportlich?“
FS: „Die Trainer haben vor, mit einer Viererkette zu spielen. Wir wollen den Ball haben, offensiv Lösungen finden und situativ auch immer mal ins Angriffs Pressing gehen. Also mehr agieren als reagieren. In dieser Richtung finden sich viele Spieler auch wieder.“
EN: „Ist in der Mannschaft selbst jetzt eine Aufbruchstimmung zu spüren?“
FS: „Man merkt den Willen und dass die Mannschaft sich der Situation bewusst ist. Vor einem Jahr war die grundlegende Stimmung nicht gut, bei vielen Jungs war ein Fragezeichen im Kopf: ‚Wie soll es eigentlich weitergehen? Wie kommen wir da raus?‘ Das ist jetzt nicht der Fall. Natürlich stehen wir unten drin, aber wir stehen nicht auf einem Abstiegsplatz, das muss man immer mal wieder betonen. Wir kommen jetzt nicht von ganz unten, sondern müssen schlechtestenfalls das verteidigen, was wir jetzt haben. Wenn das am Ende so ist, dann ist es halt so. Dann war es keine berauschende Saison, aber wir sind nicht abgestiegen und haben die Klasse gehalten. Aber das ist natürlich nicht der Anspruch, die Jungs haben Bock auf die nächsten Spiele und wollen sich da unten rauskämpfen.“
EN: „Im Winter gab es drei Abgänge und fünf Neuzugänge, das war in dem Ausmaß nicht geplant.“
FS: „Wir haben ein bisschen was an der Struktur machen müssen, teilweise gewollt, teilweise aber auch aus der Not heraus, weil Jungs uns verlassen haben. Jetzt muss sich die Mannschaft so ein bisschen finden, weil Spieler, die auch die Struktur gebildet haben, wegfallen wie Andre Wallenborn, Moritz Achtenberg oder der verletzte Moritz Frahm. Das ist jetzt noch ein kleiner Graubereich.“
EN: „Du hast Moritz Frahm gerade angesprochen, der vergangene Woche auf dem Neujahrsempfang gesagt hat, dass er hofft, im Mai wieder auf dem Platz stehen zu können, also noch einige Zeit ausfallen wird. Allerdings hat die Vorbereitung auch noch für weitere Ausfälle gesorgt, kannst du uns da einen aktuellen Überblick geben?“
FS: „Die jüngste Entwicklung ist leider nicht so doll. Mo hast du ja gerade schon angesprochen, den plane ich erstmal gar nicht mehr ein für diese Saison. Er bekommt alle Ruhe und Zeit der Welt und dann werden wir sehen, wann er wieder fit ist. Nick Gutmann ist nach seiner Schambeinverletzung auf einem guten Weg und läuft aktuell ohne große Probleme, aber muss man immer sehr vorsichtig sein, deswegen warten wir da mal ab mit einer Prognose. Da haben wir in dieser Saison mir Artem Diachuns Schambeinverletzung schon schlechte Erfahrungen gemacht. Die ist leider wieder aufgebrochen, auch da lässt sich keine Prognose abgeben. Er wird behandelt und wird, wenn er wieder einigermaßen fit ist, erstmal den Weg über die U23 gehen, sich da Spielpraxis holen und dann schauen wir mal, ob er in dieser Saison nochmal ein Thema für oben wird. Lenny Kufrin hat einen Rückschlag im Leistenbereich erlitten, da müssen wir auch mal gucken, wann er wieder Thema wird. Das ist sehr, sehr schade, weil Lenny die ganze Saison nicht so richtig auf die Beine gekommen ist. Das ärgert den Jungen natürlich extrem, weil er gerade zum Ende der Saison im Pokal in Pinneberg ein gutes Spiel gemacht hat und man eigentlich dachte, dass er auf einem guten Weg ist und den nächsten Schritt macht. Vor kurzem hat sich im Training Lucas Camacho verletzt, wo auch die aktuellen äußeren Bedingungen eine Rolle gespielt haben, da steht aktuell eine Ausfallzeit von sechs bis acht Wochen im Raum. Das trifft uns hart, weil Luki ein Spieler ist, der aufgrund seiner individuellen Klasse auch mal den Unterschied ausmachen kann. Und nun fällt auch noch Emanuel Mirchev mit einer Fraktur des Mittelfußes aus und wird frühestens Ende März wieder dabei sein.“
EN: „Du hast gerade schon die Trainingsbedingungen angesprochen. Momentan stehen wir noch halbwegs gut da mit unseren drei Testspielen, andere Mannschaften konnten teilweise erst einmal testen. Wie schwierig ist es für Trainerteam und Mannschaft, sich mit diesen Bedingungen zurecht zu finden?“
FS: „Es nervt tierisch. Aber es ist, wie es ist, wir können das Wetter ja nicht beeinflussen. Die Platzwarte arbeiten dran, die Plätze so hinzukriegen, dass wir trainieren und spielen können. Aber wenn es so kalt ist, dann wird unser Kunstrasen halt spiegelglatt und da ist die Verletzungsgefahr extrem. Das haben wir ja auch im Testspiel gehabt, wo wir dann mittendrin den Platz geswitched haben. Aber wir können ja froh sein, dass wir im Gegensatz zu anderen zumindest dreimal gespielt haben und einige Abläufe trainieren konnten. Ich hoffe, dass wir jetzt am Sonntag in Kiel spielen können.“
EN: „Wie geht ihr mit den aktuellen Bedingungen um?“
FS: „Man muss spontan reagieren, muss versuchen Ersatzpläne zu machen. Aber du kannst auch nicht spontan sagen ‚Wir gehen heute in die Soccerhalle‘, weil die zu unseren Trainingszeiten häufig schon ausgebucht sind. Das ist auch für die Jungs nervig, aber es trifft natürlich alle. Entscheidend wird sein, wie du nachher rauskommst.“
EN: „Das heißt, ihr konntet – wie wohl nahezu alle Mannschaften – auch noch nicht auf Naturrasen trainieren. Das lässt für die ersten Spiele ein ziemliches Gegurke erwarten, oder?“
FS: „Schwer einzuschätzen, wie die Spiele dann werden, aber es kann kaum jemand auf Rasen trainieren, ja. Eigentlich kannst du im Augenblick nur auf Rasen trainieren, wenn du in den Süden ins Trainingslager fährst. Meppen ist zum Beispiel auf Grund der Gegebenheiten gerade in die Türkei geflogen.“
EN: Ein Thema abseits des Platzes, was aber in den nächsten Monaten sicher auch viele beschäftigen wird, ist die geplante Regionalliga-Reform. Gerade für einen der fünf, sechs Regionalliga-Vereine, die nicht unter Profi-Bedingungen arbeiten, kann das eine ziemliche Herausforderung werden. Beschäftigt ihr euch mit ‚Was wäre wenn‘-Szenarien oder lasst ihr das erstmal auf euch zukommen?“
FS: „Es gab in den letzten Wochen schon wieder so viele Gerüchte, die durchs Land getrieben worden sind. Wie soll es sein, wie soll es nicht sein, spielen wir in zwei, drei oder vier Staffeln. Und dann wurde es wieder verworfen und neu gedacht. Solange nichts in Stein gemeißelt ist, höre ich mir das an und nehme es sehr interessiert zur Kenntnis, gerade jetzt wieder. Erst hieß es, U-Mannschaften bekommen eine eigene Liga, dann sollten sie drinbleiben, nun soll es doch wieder eigene U21-Spielklassen geben, die aber freiwillig sind und wer nicht meldet, spielt doch Regionalliga… das ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Das zeigt mir nur, dass im Augenblick keiner weiß, wie es im Detail aussehen soll. Es wird alles mal durchgedacht, was natürlich alles in Ordnung ist. Am Ende muss es eine Lösung geben, wo alle mitgenommen werden und die meisten auch dahinterstehen. Von daher macht es noch keinen Sinn, sich mit den möglichen Auswirkungen intensiv auseinander zu setzen.“
EN: „Letzte Frage: Was werden die Faktoren sein, um den Klassenerhalt zu schaffen und den Pokal zu verteidigen?“
FS: „Der entscheidende Faktor wird sein, dass die Mannschaft es hinbekommt über 90 Minuten konstant zu performen. Wenn wir das in der Hinrunde gemacht hätten, würden wir in der Tabelle ganz anders dastehen (Anmerkung: Wenn nach 75 Minuten Abpfiff wäre, wären wir aktuell Tabellen-Achter). Wir haben zu viele Spiele nach hinten hin verschenkt, konnten uns nicht belohnen. Diese Konstanz wird der entscheidende Faktor sein, Spiele zu gewinnen und die drei Punkte mit nach Hause zu nehmen - oder was mir noch viel lieber wäre, sie zu Hause zu behalten, denn diese Heimschwäche ist schon gravierend und natürlich auch ein Faktor. Im Pokal haben wir jetzt einen ganz schweren Gegner im Viertelfinale, ich schätze den ETSV sehr hoch ein. Aber wenn du Pokalsieger werden willst, musst du jeden Gegner schlagen. Das ist so ein doofer Spruch, aber es ist ja tatsächlich so.“
EN: „Und dann ist es auch egal, ob du den ETSV jetzt, im Halbfinale oder im Endspiel hast, früher oder später würdest du wahrscheinlich sowieso auf sie treffen.“
FS: „Ja, aber es gibt ja auch noch ähnlich starke Gegner im Wettbewerb. Victoria hat einen Lauf, hat Altona aus dem Pokal geworfen, mit Paloma haben wir ja auch schon unsere Erfahrungen gemacht. Irgendwann triffst du auf so einen Gegner und sei es im Finale. Die Jungs, die dabei waren, wollen nach der Erfahrung vom letzten Jahr den Pokal unbedingt verteidigen. Und die Neuzugänge bekommen die Geschichten erzählt und sehen die Fotos vom Pokalfinale und vom DFB-Pokal und sagen: Ja, das will ich auch. Und deswegen müssen wir die Spiele gewinnen.“
